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Spätestens mit der Veröffentlichung eines Videos auf dem zwei Reuters-Mitarbeiter aus einem US-amerikanischen "Apache"-Helikopter erschossen werden (www.spiegel.de), gelangte die Internetplattform WikiLeaks zu Bekanntheit. Dabei war es nicht die einzige Veröffentlichung der Internetplattform, die für Aufsehen gesorgt hat. Nach der Pleite der isländischen „Kaupthing-Bank“ hat WikiLeaks ein zugespieltes internes Dokument der Bank veröffentlicht, aus welchem hervorgeht, dass die Bank kurz vor ihrer Pleite von ihren Eignern u.a. durch Abschreibung großer Schuldsummen geplündert worden ist. Letzte Woche hat schließlich die Tagesschau über ein von WikiLeaks veröffentlichtes internes Papier der CIA berichtet, welches eine geheime, auf die Bundesrepublik zugeschnittene PR-Strategie betreffend dem Afghanistan-Einsatz offenbart. Ohne Frage, alles Berichterstattungen von hohem öffentlichen Interesse. Für Medienschaffende stellt sich damit die Frage des Umgangs von WikiLeaks als Quelle.

Natürlich ist es jedem Journalisten oder Medienunternehmen grundsätzlich unbenommen, Meldungen von WikiLeaks unter Angabe von WikiLeaks als Quelle zu publizieren, etwa: "Wie WikiLeaks  berichtet, [...]". Anders sieht es dagegen aus, wenn eine Meldung ohne den Zusatz der Quelle veröffentlich wird.

Aufgrund der journalistischen Sorgfaltspflicht dürfen Meldungen von Dritten nicht einfach übernommen werden, sondern sind auf ihren Wahrheitsgehalt hin selber zu prüfen. Mithin gilt nichts anderes bei Übernahme von WikiLeaks-Meldungen. Dabei fällt die Nachforschungspflicht höher aus, je mehr Verdachtsmomente an der inhaltlichen Unrichtigkeit der Meldung bestehen. Solche Verdachtsmomente sind freilich auch an der Seriosität der Quelle zu bemessen. Werden beispielsweise Meldungen einer sog. privilegierten Quellen übernommen (z.B. dpa, Pressemitteilung der Regierung), ist die Prüfungspflicht weniger streng. Der Journalist oder das publizierende Medienunternehmen dürfen sich bei diesen Quellen in der Regel darauf verlassen, dass die Information zutreffend und ggf. unter Zugrundelegung des journalistischen Sorgfaltsmaßstabes geprüft wurden.

Hier gilt es sich den Mechanismus hinter WikiLeaks näher anzuschauen. WikiLeaks veröffentlicht – unter völliger Gewährleistung absoluter Anonymität – zugespielte Dokumente. Dabei handelt es sich oft um interne, manchmal sogar geheime Papiere oder Videos. Bevor diese veröffentlicht werden, findet nach eigenen Angaben eine Prüfung durch freiwillige Mitarbeiter hinsichtlich der Echtheit des Dokuments statt. Anschließend wird dieses online gestellt.

Größere Fehler hat man sich dabei noch nicht erlaubt. Gleichwohl scheint jedoch gemäß der WikiLeaks-Maxime „in doubt we publish“ keine Abwägung mit Persönlichkeitsrechten stattzufinden. So wurde beispielsweise eine Mitgliederliste der rechtsextremen British National Party einschließlich aller personenbezogenen Daten wie Adresse, Beruf und Alter oder private E-Mails der US-Republikanerin Sarah Palin veröffentlicht.

Eine abschließende Bewertung der Seriosität bleibt der weiteren Entwicklung von WikiLeaks vorbehalten. Es wird sich zeigen, ob man sich im Falle von Falschmeldungen um eine sorgfältigere Recherche bemühen oder der Maxime „in doubt we publish“ auch in Hinblick auf die Echtheit von Material folgen wird.

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