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Menschenverachtende Beeinträchtigung

Die schwerwiegendste Variation ist die Beeinträchtigung der Entscheidungsfreiheit in menschenverachtender Weise. Unter einer solchen versteht man  geschäftliche Handlungen und insbesondere Werbung, die die Menschenwürde verletzt.

Eine solche geschäftliche Handlung ist jedoch nicht ohne weiteres wettbewerbswidrig. Eine weitere Voraussetzung muss zusätzlich zwingend vorliegen: Die Entscheidungsfreiheit der Abnehmer muss durch diese Verletzung der Menschenwürde beeinträchtig werden. Fälle, in denen dies denkbar ist, sind eher rar gestreut. Hierzu ein in der Öffentlichkeit Aufsehen erregendes 

Beispiel: Ein italienisches Bekleidungsunternehmen warb mit einem nackten Hinterteil auf dem ein Stempel „H.I.V" aufgebracht war. Einzig der Schriftzug des Unternehmens am Rand der Anzeige deutete auf dessen Existenz hin. Die Werbung stellte in den Augen des BGH eine Verletzung der Menschenwürde dar, die die Entscheidungsfreiheit der Verbraucher zu beeinträchtigen vermöge. Es handele sich um einen Missbrauch wahrer Gefühle zu Profitzwecken.

Das Bundesverfassungsgericht stellte hingegen klar, dass auch Unternehmen ein Recht auf Meinungsfreiheit haben, ganz gleich ob diese nur zu Werbezwecken diene. Es stehe den Unternehmen frei, sich zu Missständen, wie beispielsweise der Ausgrenzung H.I.V-Infizierter zu äußern. Es kommt danach entscheidend auf die Eignung der Aussage an, die Entscheidungsfreiheit der Verbraucher zu beeinträchtigen.

Im Zusammenhang mit § 4 Nr. 1 UWG werden regelmäßig auch Anzeigen von (Mode-) Unternehmen diskutiert, die Frauen als Objekte darstellen.

Eine menschenverachtende Beeinträchtigung der Entscheidungsfreiheit liegt auch bei unterschwelliger (subliminaler) Werbung vor. Dabei handelt es sich um Werbeformen, die nicht klar als solche erkennbar sind. Zwar verstößt es nicht gegen die Menschenwürde, wenn sich die Werbung nicht nur an das Bewusstsein, sondern auch an das Unterbewusstsein des Empfängers richtet. Botschaften, die sich nur an das Unterbewusstsein des Empfängers wenden, nehmen dem Empfänger jedoch die Möglichkeit bewusstseinskontrollierter Entscheidungen. Das Handeln des umworbenen wird hierdurch gewissermaßen Fremdbestimmt.

Beispiel: Während eines Kinofilmes wird eine Werbebotschaft für den Bruchteil einer Sekunde eingeblendet. Diese Einblendungen werden nicht bewusst, aber dennoch vom Gehirn wahrgenommen und gespeichert. Je nachdem, in welchem Kontext das Bild kurz aufflackerte, werden zugleich gewisse (positive) Emotionen mit dem derart beworbenen Produkt verbunden, ohne dass der Zuschauer dies wahrnimmt.

Solche Werbemaßnahmen sind darüber hinaus durch zahlreiche Richtlinien auch auf europäischer Ebene untersagt.

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