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Bei Anfragen seitens Pressevertretern wegen eines Interviews oder einer Stellungnahme stellt sich für den Einzelnen regelmäßig die Frage nach dem Umgang mit einer solchen Anfrage. Es besteht die im Einzelfall durchaus berechtigte Sorge, dass die Äußerungen nicht im Sinne des Äußernden wiedergegeben werden, indem sie verzerrt dargestellt oder aus dem Zusammenhang gerissen werden. Diese Problematik stellt sich insbesondere dann, wenn der Betroffene Kenntnis davon hat, dass die Anfrage im Rahmen einer besonders kritischen Berichterstattung über seine Person stattfindet. Auf Seiten der Medienvertreter ist schließlich zu beachten, dass diese mit Blick auf ihre Sorgfaltspflicht im Einzelfall dazu gehalten sein können, dem Betoffenen einer Berichterstattung Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben.

Zitattreue als Ausprägung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts

Abstrakt lässt sich zunächst feststellen, dass der persönlichkeitsrechtliche Schutz vor Unwahrheiten auch die sogenannte Zitattreue und den Schutz vor untergeschobenen Äußerungen umfasst (BGH NJW 1995, 861, 862; BGH NJW 1982, 635; BVerfG NJW 1980, 2072). Ebenfalls unzulässig ist eine unvollständige Darstellung. Bei einer Berichterstattung über Personen dürfen nicht solche Fakten verschwiegen werden, deren Mitteilung beim Rezipienten zu einer für den Betroffenen günstigeren Beurteilung des Gesamtvorgangs geführt hätte (BGH NJW 2004, 598).

Aufgrund des Gebots der Zitattreue ist es unzulässig einer Person wahrheitswidrig Äußerungen zu unterstellen oder diese verfälscht wiederzugeben. Zu beachten ist hierbei, dass gegenüber der erkennbaren Meinungsäußerung dem Zitat die besondere Überzeugungs- und Beweiskraft des Faktums zukommt. Ist das Zitat unrichtig, verfälscht oder entstellt, so greift dies in das Persönlichkeitsrecht des Kritisierten um so tiefer ein, als er hier sozusagen als Zeuge gegen sich selbst ins Feld geführt wird (BVerfG NJW 1980, 2072). Bei der Zusammenfassung längerer Äußerungen, etwa im Rahmen eines Interviews oder einer Rede, ist ebenfalls eine besondere Sorgfalt zu beachten. Insbesondere darf eine komprimierte Wiedergabe nicht zu einer einseitigen Interpretation führen. Bei unterschiedlichen Deutungsmöglichkeiten, muss dies kenntlich gemacht werden (OLG Frankfurt Beschluss vom 10. März 2004, Az. 14 W 16/04). Auch muss bei einer verkürzten Darstellung der Äußerung deutlich werden, dass es sich nicht um ein Zitat, sondern um eine inhaltliche Zusammenfassung handelt (Steffen in Löffler/Presserecht, 5. Auflage, 2006, § 6 Rn 200). Die Wiedergabe eines Interview ist mithin nur ohne sinnentstellende Kürzungen möglich.

Autorisierungsvobehalt und Interviewvertrag

Im Rahmen eines Interviews ist ferner zu beachten, dass es einer Privatperson mit Blick die allgemeinen Handlungsfreiheit aus Art. 2 Abs. 1 Grundgesetz grundsätzlich freisteht, ob und wie sie sich zu einer Anfrage äußern will. Ein Auskunftsanspruch der Presse besteht nach den Landespressegesetzen lediglich gegenüber Behörden (Löffler/Ricker, 5. Auflage 2005, Kap. 19 Rn 11). Gleichwohl empfiehlt es sich vor jedem Interview einen Interviewvertrag mit dem jeweiligen Medium abzuschließen. Insbesondere besteht hier die Möglichkeit der Vereinbarung eines Autorisierungsvorbehalts. Das Interview darf danach erst veröffentlicht werden, wenn dieses vorher dem Interviewten vorgelegt wurde und dieser gegenüber dem Medium die Freigabe erteilt hat.

Interview ohne vertragliche Vereinbarung

Soweit kein Autorisierungsvorbehalt vereinbart wurde, bemisst sich die Frage nach der vorherigen Einwilligung durch den Interviewten nach der Verkehrssitte (Soehring, Presserecht, 3. Auflage, 2000, Rn 7.65). Grundsätzlich gilt dabei, dass der Interviewte durch das vorbehaltlose Geben des Interviews auch konkludent in dessen Veröffentlichung einwilligt. Dies gilt jedenfalls, dann, wenn das Interview unverändert veröffentlicht wird oder das Auslassen von Teilen, den Kontext der Gesamtaussage unberührt lässt (Branahl, 5. Auflage 2006, S. 132). Redaktionelle Bearbeitungen, die den Sinngehalt der Aussagen des Interviewten verändert, bedürfen dagegen stets der vorherigen Einwilligung.

Zusammenfassung und Empfehlung

Grundsätzlich ist zu empfehlen sich im Rahmen eines Interviewvertrages einen Autorisierungsvorbehalt zusichern zu lassen. In diesem Fall ist gewährleistet, dass die Interviewaussage stets unverfälscht wiedergegeben wird. Bei dem Autorisierungsvorbehalt ist generell zu beachten, dass viele Medien einen solchen nicht akzeptieren. Letztlich ist abzuwägen, ob dann ein generelles Schweigen auf Interviewanfragen in der Außenwirkung unter Umständen negativer aufgefasst wird, als die verkürzte – jedoch nicht verfälschende – Darstellung von Aussagen.

Kommt es sodann doch zu einer verfälschenden Wiedergabe einer Äußerung, kann dies unterschiedliche Ansprüche des Betroffenen auslösen, insbesondere einen Anspruch auf Unterlassung, Gegendarstellung, Widerruf/Richtigstellung, Schadensersatz sowie Geldentschädigung.

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